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Ratgeber Lack

Für viele Verschönerungs- und Renovierungsarbeiten werden Lacke verwendet. Neben der optischen Komponente kommt auch der Aspekt des Schutzes zum Tragen. So werden Oberflächen aus Holz, Kunststoff, Metall oder mineralischem Material durch Lacke vor Nässe und Reinigungschemikalien geschützt und sind witterungsbeständiger. Der Unterschied zur Farbe besteht darin, dass Lacke mehr Bindemittel enthalten. Bei lösemittelhaltigen Lacken liegen sie im Lösemittel gelöst vor und in wasserbasierten Lacken - sogenannte Dispersionslacke - sind die Bindemittel im Wasser verteilt. Übersteigt der Lösemittelanteil eines Dispersionlackes nicht die 10 Prozent, dann gilt er als schadstoffarm und kann mit dem „Blauen Umweltengel“ ausgezeichnet werden. Wenn du den richtigen Lack für dich auswählen möchtest, dann musst du dich zwischen Acryllacken und Kunstharzlacken, Klar-, Bunt- oder Weißlacken sowie den Eigenschaften seidenmatt oder glänzend entscheiden.

Acryllack oder Kunstharzlack?

Acryllack oder Kunstharzlack?Je nachdem, welche Eigenschaften der Lack für deine anfallenden Arbeiten aufweisen soll, kannst du zu den wasserbasierten Acryllacken oder den lösemittelbasierten Kunstharzlacken, auch Alkydharlack genannt, greifen.

Acryllack

Acryllacke sind allgemein umweltschonender, als Kunstharzlacke, da hier weniger Lösemittel enthalten sind. Der geringere Anteil macht sich in dem Geruch bemerkbar, der weniger unangenehm ist. Zudem sind die wasserbasierten Lacke leichter zu verarbeiten, da sie schneller trocknen und sich Werkzeuge wie Pinsel oder Rollen leicht mit Wasser säubern lassen. Sie eignen sich für Holz, Metall und Kunststoffe und vergilben nicht, was besonders bei Weißlacken ein entscheidender Vorteil ist.

 

Kunstharzlacke

Die hohe Umweltschädlichkeit der Lösemittel besteht in der Verstärkung des Treibhauseffektes und der vorantreibenden Ozonbildung in den unteren Schichten der Atmosphäre. Diese Problematik löste einen Trend hin zu Acryllacken aus, wodurch große Mengen an Lösemitteln eingespart werden konnten. Kunstharzlacke sind allerdings unempfindlicher gegenüber Schmutz und Kratzern und eignen sich daher besonders gut für Flächen, die viel und stark beansprucht werden, wie etwa Tische oder Stühle. Ihre Verlaufeigenschaften sind im Gegensatz zu Acryllacken etwas besser, so lassen sich beispielsweise leichter Hochglanzflächen erzeugen. Werden lösemittelhaltige Lacke verwendet, sollten jedoch einige Maßnahmen beachtet werden:

  • Verwende Schutzhandschuhe
  • Benutze eine Atemschutzmaske mit Atemfilter
  • Arbeite möglichst im Freien oder gut belüfteten Plätzen
  • Nicht rauchen
  • Achte darauf, dass sich keine offene Flamme in der Nähe befindet

Klarlack, Buntlack oder Weißlack?

Weißlacke und Klarlacke sind die am häufigsten verwendeten Lacke im Do-it-yourself-Bereich. Wenn du einen Weißlack kaufst, solltest du unbedingt darauf achten, dass er keine vergilbenden Eigenschaften besitzt. Weiße Naturharzlacke schnitten in einem Test der „Stiftung Warentest“ im Jahre 2008 im Hinblick auf die Vergilbung schlecht ab. Generell sollte bei Weißlacken auf Acryllack zurückgegriffen werden, denn auch weiße Kunstharzlacke vergilben schnell. Klarlacke besitzen weder Pigmente noch lösliche Farbstoffe und eignen sich als Schutz für Oberflächen, deren natürliche Farbe sichtbar bleiben soll. Für Buntlacke gilt, auf UV-Beständigkeit zu achten, damit sich der Farbton durch Sonneneinstrahlung nicht verändert. Buntlacke ohne einen Zusatz im Namen sind lösungsmittelbasierte Lacke. Mit dem Namenszusatz „Acryl“ (Acryl-Buntlack) handelt es sich um den wasserbasierten Acryllack.

 

Effektlacke

Metalliclack Satinlack Hammerschlaglack Flop Lack (Interferenzlack)
  • Glänzt metallisch
  • Enthält Metalleffektpigmente
  • seidenglänzend
  • Reflektiert weniger  Licht
  • Netzartige Struktur
  • Oberfläche erscheint gehämmert
  • Farbton erscheint je nach Blickwinkel verändert

Richtiges Werkzeug zum Lackieren

Richtiges Werkzeug zum LackierenUm den Lack aufzutragen werden Pinsel, Nylon-Polyamidrollen, Schaumstoffrollen oder Spritzpistolen verwendet. Kreppklebeband wird für saubere Kanten genutzt und zur besseren Farbaufnahme dienen Farbwannen. Für größere Flächen eignen sich Rollen besonders gut. Die Kanten sollten aber mit dem Pinsel lackiert werden. Für Kunstharzlacke eignen sich Naturborsten am besten. Ein guter Naturborstenpinsel zeichnet sich durch eine Farbkammer in seiner Mitte aus, die eine hohe Farbaufnahme ermöglicht. Naturborsten würden durch das Wasser im Acryllack quellen, was Instabilität zur Folge hätte. Acryllacke sollten also mit synthetischen Borsten verwendet werden, die optimaler Weise Farbkammern zwischen den Borstenreihen besitzen.

Auch die richtige Wahl bei der Lackierrolle ist entscheidend für das Ergebnis. Grobporige Schaumstoffrollen lassen kleine Luftblasen im Lack entstehen, wodurch die Oberfläche uneben wird. Mit superfeinen Poren eignen sich Schaumstoffwalzen gut für Kunstharzlacke. Auch kurzflorige Rollen wie Vestan-Walzen sind hier immer eine gute Wahl. Diese sind ebenso geeignet für Acryllacke. Alternativ kannst du Flockroller einsetzen. 

 

Zur besseren Übersicht

  Acryllack Kunstharzlack
Geeignete Pinsel
  • Synthetische Borsten
  • Naturborsten
Geeignete Rollen
  • Kurzflorige Vestan-Walze
  • Flockroller
  • Kurzflorige Vestan-Walze
  • Feinporige Schaumstoffrolle

Eine Alternative zum Rollen und Pinseln stellt das Spritzen der Lacke dar. Die Arbeit ist dadurch schneller getan, es erfordert aber auch einiges an Übung, um Spritzpistolen optimal einzusetzen. Zu unterscheiden ist zwischen einfachen Airless-Geräten und HVLP-Geräten (High Volume Low Pressure), sogenannten Niederdruckgeräten. Erstere sind dabei wesentlich günstiger in der Anschaffung, erzielen aber auch nicht dasselbe perfekte Ergebnis wie die Niederdruckgeräte. Zur Verwendung einer Spritzpistole muss die Viskosität des Lackes stimmen. Dafür ist die Verdünnung des Acryllacks mit 10 bis 20 Prozent Wasser erforderlich., denn der Lack darf weder zu dünn, noch zu dick sein. Die richtige Viskosität zu finden ist nicht ganz einfach und benötigt ein wenig Praxis. 

 

Tipps zur richtigen Anwendung

Vor der Lackierung muss die zu bearbeitende Oberfläche angeschliffen werden, alte Farbreste müssen entfernt beziehungsweise ebenfalls angeschliffen werden und schließlich bedarf es einer Reinigung der Oberfläche. Bevor der Lack aufgetragen wird, sollte der Untergrund sauber, fettfrei und trocken sein. Durch diese Vorarbeit kann sich die schützende Wirkung der Lacke richtig und langfristig entfalten. Die Ecken und Kanten sollten mit dem Rundpinsel zuerst lackiert werden, anschließend werden die großen Flächen mit dem Flachpinsel, der Rolle oder einer Spitzpistole bearbeitet. Um den Pinsel sauber zu halten und gut mit ihm arbeiten zu können, empfiehlt es sich die Borsten nur zur Hälfte in den Lack einzutauchen. Wer den Lack direkt aus der Dose verarbeitet, kann sich mit einem Streifen Kreppklebeband von Dosenrand zu Dosenrand einen Abstreifer schaffen. Nach dem Erstanstrich müssen die meisten Lacke ein weiteres Mal angeschliffen werden. Der Zwischenschliff sollte generell mit einem feineren Schleifpapier als der Vorschliff erfolgen. Die auf der Farbdose angegebene Trockenzeit zur Weiterverarbeitung sollte dabei unbedingt eingehalten werden. Zudem ist die Verarbeitungstemperatur zu beachten, die in den meisten Fällen zwischen +15° und +30° Celsius liegt.

Schädliche Inhaltsstoffe

Mit der Decopaint-Richtlinie von 2004 werden die Lösemittelgrenzwerte für Lacke geregelt, um die Emission durch Lösungsmittel zu begrenzen. So konnten inzwischen mehr als eine Million Tonnen Lösemittel eingespart werden. Ein Test der Fachzeitschrift Ökotest im Juli 2011 hat ergeben, dass wasserbasierte Lacke nicht automatisch schadstofffrei sind. Nur fünf der getesteten Produkte konnten dieses Kriterium erfüllen. Viele der günstigen Eigenmarken der Baumärkte schnitten bei dem Test mit „sehr gut“ und „gut“ ab. Weitere Marken die diese Testergebnisse erzielen konnten waren Alpina, Bio Pin und Volvox.

Zwar dünsten die problematischen Stoffe der Lacke nur in sehr geringer Menge aus, doch einige dieser Stoffe sind schon in geringer Menge gesundheitsschädigend.

 

Problematische Stoffe und ihre Gesundheitsgefährdungen

  Gesundheitsgefährdung
Benzol Krebserregend, Schädigung Nervensystem
Styrol Schädigung Nervensystem, Reizung der Schleimhäute
Ethylenglykol Bindehautreizung, Nierenschädigung
Acrylate sensibilisierend
Isothiazolinone Allergische Hautreaktionen
Kobaltsalze Allergische Hautreaktionen, krebserregend

Der Ökotest ergab, dass die Naturfarbenhersteller Biofa, Auro und Bio Pin Kobaltsalze als Trocknungsbeschleuniger in ihren Lacken verwenden. Kobalt ist ein Kontaktallergen, kann also allergische Reaktionen auf der Haut hervorrufen. Außerdem ist Kobaltstaub krebserregend. Wird der trockene Lack geschliffen, kann der Staub eingeatmet werden. Deswegen muss der Hersteller auf die Verwendung von Kobaltsalzen hinweisen und sollte die Notwendigkeit einer Atemschutzmaske  für den Zwischenschliff auf der Lackdose kennzeichnen. Von den Naturfarbenherstellern war Biofa der einzige, der auf Kobaltsalze im Lack verwies.

Wasserbasierte Lacke, die deutlich weniger Lösemittel enthalten als Kunstharzlacke, bergen das Risiko von Bakterien oder Pilzen befallen zu werden, der durch den Wassergehalt begünstigt wird. Hier werden deswegen oft die problematischen Isothiazolinone als Konservierungsmittel eingesetzt oder Formaldehyde verwendet. Möchtest du  also auf schadstoffarme Lacke zurückgreifen, so musst du einiges beachten und dich gut informieren. Eine Hilfe bei der richtigen Wahl kann der Blaue Engel sein, ein Siegel, das solche Lacke kennzeichnet. Doch auch hier ist Vorsicht geboten, da den Herstellern auch hier einige Hintertüren offen stehen.

 

Der Blaue Engel kennzeichnet emissions- und schadstoffarme Lacke

Das Siegel des Blauen Engels bekommen Lacke, die die festgelegten Mengen der Schadstoffe nicht überschreiten. Lacke dürfen nicht mit mehr als 100 Milligramm Schwermetallen pro Kilogramm verunreinigt sein. Einzig für Blei ist die Grenze auf 200 Milligramm pro Kilogramm hochgestuft. Der Anteil an Lösemitteln darf höchstens 10 Gewichtsprozent betragen, wobei Isothiazolinonen 200 Milligramm pro Kilogramm nicht überschreiten dürfen. Für freie Formaldehyde ist die Grenze bei 10 Milligramm pro Kilogramm.

 

 

Bildquellen:

  • Bigstock/ efetova
  • Bigstock/ barney boogles
  • Bigstock/ Yastremksa
  • Bigstock/ YellowPaul
  • Bigstock/ mythja
  • Bigstock/ George D.

 


Mit diesem kleinen Ratgeber von Merle, kann das Renovieren und Lackieren so richtig losgehen.