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Ratgeber Reifen

Die Reifen müssen nicht nur das Gewicht deines Fahrzeuges tragen, sondern auch die Kräfte der Fahrt aushalten. Vor allem beim Beschleunigen, Bremsen und bei der Durchfahrt von Kurven sind diese enorm. Die Fläche, die den Kontakt zum Boden herstellt, ist dabei pro Autoreifen nur etwa Postkarten groß. Der Reifenaufbau sowie die verwendeten Materialien wurden seit der Erfindung der herkömmlichen Reifen immer weiterentwickelt, denn es muss stets ein Kompromiss der verschiedenen Anforderungen gefunden werden. Das Verhalten beim Bremsen auf nasser Fahrbahn muss ebenso stimmen, wie die Laufleistung, obwohl beide gegensätzliche Anforderungen stellen. Obendrein sind die Reifen das wichtigste Sicherheitselement am Fahrzeug. Beim Reifenkauf muss also viel bedacht werden. Mit ein wenig Grundwissen findest du aber garantiert den richtigen Reifensatz für ein gutes Fahrgefühl und optimale Sicherheit. Die folgenden Punkte solltest du dabei unbedingt beachten:

  • ermittle die richtige Reifengröße für dein Fahrzeug
  • entscheide dich für Sommer- und Winterreifen oder für Alljahresreifen
  • informiere dich über die richtige Wartung der Reifen

Geschichte

Geschichte der ReifenDie Geschichte des Reifens beginnt 1844 mit der Erfindung des Vulkanisierens von Gummi. Der Amerikaner Charles Goodyear meldete dieses Verfahren zum Patent an. Nur ein Jahr später meldete der Schotte Robert William Thomson den ersten vulkanisierten Gummireifen für Fahrräder zum Patent an, fand für diese großartige Idee aber keinerlei Abnehmer. Erst über 40 Jahre später ließ sich der Schotte John Dunlop den ersten Fahrradreifen schützen, der nicht massiv, sondern von innen hohl war. Ein Jahr später war es dann soweit, dass Eduardo Michelin den ersten Luftreifen entwickelte, der mit einem Schlauch bestückt war. Dies war der wirtschaftliche Durchbruch des Reifens, wie wir ihn heute kennen.

Noch im 19. Jahrhundert wurden dann die noch heute international bekannten Reifenhersteller Dunlop, Goodyear und Michelin gegründet. Ihren heutigen Bekanntheitsgrad erlangten diese Konzerne hauptsächlich durch ihren großen Einsatz im internationalen Motorsport.

Eine Schattenseite hatte die Erfindung des Luftreifens mit Schlauch jedoch: Innerhalb weniger Jahre wurden Hochräder vom Markt verdrängt.

Funktionsweise von Reifen

Bei heutigen Reifen, wird der Reifen je nach Einsatz ohne oder mit Schlauch verwendet. So finden sich bei Fahrrädern oder auch Motorrädern oft Reifen mit Schlauch, während größere Kraftfahrzeuge wie PKW oder LKW mit schlauchlosen Reifen fahren.

Das Prinzip beruht darauf, dass stark verdichtete Luft in den Reifen gepresst wird. Dieses Luftpolster soll das Gewicht des Fahrzeuges samt der Ladung tragen und gleichzeitig noch Unebenheiten der Straße ausgleichen und Stöße abfedern können.

Die richtige Reifengröße ermitteln

Zur Ermittlung der richtigen Reifengröße für dein Fahrzeug gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten. Zum einen kannst du die Reifengröße auf den bereits montierten Reifen ablesen. Auf der Seitenwand jedes Reifens sind die entsprechenden Werte einvulkanisiert. Zum anderen ist die passende Größe im Fahrzeugschein eingetragen.

 

Bedeutung der Zahlen-Buchstaben-Kombination

Im Code der Reifengröße werden in einer Kombination aus Zahlen und Buchstaben folgende Werte angegeben:

  • die Reifenbreite
  • das Verhältnis der Reifenhöhe zu der Reifenbreite
  • die Bauart des Reifens
  • der Felgendurchmesser
  • der Tragfähigkeitsindex
  • der Geschwindigkeitsindex

Die Bezeichnung sieht dann zum Beispiel so aus:  215/40 R17 87V

Das bedeutet also: Der Reifen ist 215 Millimeter breit und die Seitenwandhöhe beträgt im Verhältnis zur Reifenbreite 40 Prozent. R gibt die Bauart des Reifens an und steht für Radialreifen. Dies stellt die gängige Bauweise herkömmlicher Reifen dar. Neben den Radialreifen gibt es noch die diagonale Bauweise. Diese wird mit einem D gekennzeichnet, jedoch nur noch sehr selten produziert. Die darauffolgende Zahl gibt den Durchmesser der Felge in Zoll an. In diesem Fall beträgt der Felgendurchmesser also 17 Zoll. Die letzten beiden Werte geben den Tragfähigkeitsindex und den Geschwindigkeitsindex an, auch Loadindex und Speedindex genannt. Ersterer wird in einer Zahl und letzterer in einem Buchstaben angegeben. Ein Loadindex von 87 bedeutet eine maximale Tragfähigkeit pro Reifen von 545 Kilogramm. Der Speedindex gibt die maximal zulässige Geschwindigkeit an, die für Reifen der Klasse V 240 km/h beträgt. Für den Loadindex sowie den Speedindex gibt es jeweils eine Tabelle, aus der die Werte abgelesen werden können.

 

Loadindex (LI)

LI kg LI kg LI kg
65 290 77 412 89 580
66 300 78 425 90 600
67 307 79 437 91 615
68 315 80 450 92 630
69 325 81 462 93 650
70 335 82 475 94 670
71 345 83 487 95 690
72 355 84 500 96 710
73 365 85 515 97 730
74 375 86 530 98 750
75 387 87 545 99 775
76 400 88 560 100 800

Speedindex (Auszug)

J bis 100 km/h
K bis 110 km/h
L bis 120 km/h
M bis 130 km/h
N bis 140 km/h
P bis 150 km/h
Q bis 160 km/h
R bis 170 km/h
S bis 180 km/h
T bis 190 km/h
U bis 200 km/h
H bis 210 km/h
V bis 240 km/h
W bis 270 km/h
Y bis 300 km/h

 

 

Sommer- und Winterreifen oder Alljahresreifen

Ob für dein Fahrzeug Alljahresreifen in Frage kommen, kommt vor allem auf die Region deines Wohnortes an. Denn Alljahresreifen vereinen die Anforderungen an den Reifen bei kalten und nassen sowie warmen und trockenen Gegebenheiten. Der Kompromiss der hierfür bei der Wahl des Materials und des Profils eingegangen werden muss, ist weniger geeignet für Regionen, in denen extreme Wetterverhältnisse herrschen. Für das Autofahren in höher gelegenen Regionen mit viel Schnee empfehle ich daher den Wechsel von Sommer- und Winterreifen.

In flacher gelegenen Regionen, in denen verhältnismäßig geringe klimatische Schwankungen zwischen Sommer und Winter herrschen, eignen sich Allwetterreifen gut. Besonders bei überwiegenden Autofahrten in städtischem Gebiet kannst du hier getrost auf Alljahresreifen zurückgreifen.

Für niedrige Temperaturen sowie Schnee und Glatteis ist eine weiche und elastische Gummimischung von Vorteil. Diese wird für die Herstellung von Winterreifen verwendet. Sie verhärtet nicht so schnell und ist sehr kälteresistent. Zum guten und schnellen Abtransport von Nässe ist das Profil von Winterreifen sehr viel breiter, als das von Sommerreifen. Dadurch wird die Gefahr des Aquaplaning erheblich verringert. Sommerreifen besitzen im Gegensatz zu Winterreifen eine härtere und weniger elastische Gummimischung, da eine weiche Gummimischung schnelleren Verschleiß und einen höheren Kraftstoffverbrauch bedeuten würde.  

 

Vor- und Nachteile von Alljahresreifen gegenüber Winter- und Sommerreifen

  Vorteile Nachteile
Alljahresreifen
  • kein Reifenwechsel
  • keine Einlagerung der Winter- bzw. Sommerreifen
  • geringere Kosten
  • weniger gut geeignet für extreme Wetterverhältnisse, besonders im Winter

Richtige Wartung der Reifen

Unbemerkte Reifenschäden stellen ein erhöhtes Sicherheitsrisiko dar. Die regelmäßige Kontrolle der Reifen ist daher besonders wichtig. Im Wesentlichen solltest du dabei:

  • den Reifenluftdruck prüfen
  • die Profiltiefe kontrollieren
  • den Reifen auf sichtbare Schäden überprüfen
  • das Reifenalter beachten

 

Luftdruck des Reifens prüfen

Ein korrekter Reifenluftdruck ist in mehrerer Hinsicht wichtig. Unter einem zu hohen oder zu niedrigen Fülldruck leidet die Sicherheit sowie der ökonomische Aspekt. Zum einen erhöht sich das Sicherheitsrisiko durch einen längeren Bremsweg, eine geringere Kurvenstabilität sowie eine starke Erhitzung der Reifen, die zur völligen Zerstörung dieser führen kann. Zum anderen sind der Kraftstoffverbrauch sowie der Verschleiß der Reifen mit zu hohem oder zu niedrigem Reifenluftdruck wesentlich höher.

Vorteile Nachteile
  • kein Reifenwechsel
  • keine Einlagerung der Winter- bzw. Sommerreifen
  • geringere Kosten
  • weniger gut geeignet für extreme Wetterverhältnisse, besonders im Winter

Bereits bei einem Minderdruck von 0,2 bar ist der Spritverbrauch 1 Prozent höher. Bei 0,6 bar sind es bereits 4 Prozent. Die Lebensdauer eines Reifens ist bei 0,2 bar Minderdruck 10 Prozent geringer, bei 0,4 bar sind es bereits 30 Prozent und bei 0,6 bar 45 Prozent. Schon bei einem zu niedrigen Luftdruck ab 0,3 bar besteht ein erhöhtes Risiko, dass sich der Reifen schnell sehr stark erhitzen kann.

Umfragen und Stichproben haben ergeben, dass die meisten Autofahrer ihre Reifen zu selten kontrollieren. Nur rund jeder vierte Autofahrer fährt mit einem korrekten Fülldruck. Zehn Prozent aller Autofahrer fahren sogar mit einem gefährlichen Minderdruck von 0,6 bar. Da kein Reifen völlig dicht ist, ist eine regelmäßige Kontrolle besonders wichtig. Ein Reifen verliert pro Monat ein paar hundertstel Bar. Das ist zwar lediglich eine äußerst geringe Menge, aber im Laufe der Zeit summiert es sich höhere Werte. Mit einem Druckmesser kann der Reifenluftdruck überprüft werden. An fast jeder Tankstelle gibt es diese Geräte. Du kannst aber auch für wenig Geld ein eigenen Druckmesser (Manometer) erwerben. Den korrekten Fülldruck für dein Fahrzeug kannst du in der Bedienungsanleitung nachschlagen, in der Innenseite der Tankklappe ablesen oder auf den Herstellerseiten in Reifenluftdrucktabellen nachschauen.  

 

Profil und Reifenverschleiß

Der Verschleiß von Reifen kann je nach Ausprägung Aufschluss über Mängel am Reifen oder am Fahrzeug geben.

Verschleißmerkmal Mögliche Ursache
Laufflächenmitte übermäßig abgefahren zu hoher Fülldruck
Reifenschultern übermäßig abgefahren zu geringer Fülldruck
Einseitig abgefahrene Reifenschultern Achsgeometrie kann fehlerhaft sein
Abplättung der Reifen lange Standzeit des Fahrzeugs

Die Mindestprofiltiefe ist in der EU gesetzlich vorgeschrieben und muss 1,6 Millimeter betragen. Um die Sicherheit möglichst hoch zu halten, sollten Sommerreifen dennoch bereits bei einer Profiltiefe von 2 Millimetern ausgetauscht werden. Bei Winterreifen ist das Profil besonders wichtig. Wenn dies auf vier Millimeter runtergefahren ist, ist es bereits nicht mehr für Schnee und Eis geeignet.

 

Der einfache Schnelltest für die Profiltiefe

Mit einer 1-Euro-Münze kannst du ganz einfach und schnell die Profiltiefe deiner Reifen überprüfen. Schlage die Vorderräder dazu in eine Richtung komplett ein. Prüfe dann mit der Sichtkontrolle, ob der Abrieb gleichmäßig oder ungleichmäßig ist. Bei gleichmäßigem Abrieb wähle eine beliebige Profilrille aus, bei ungleichmäßigem Abrieb entscheide dich für eine Rille mit der augenscheinlich geringsten Profiltiefe. In die jeweilige Rille setzt du eine 1-Euro-Münze senkrecht auf den Profilgrund. Als Maß nimmst du nun den goldenen Rand der Münze. Sind die umgebenden Profilblöcke so hoch wie dieser, beträgt das Profil über etwa 3,5 Millimeter. Zur Sicherheit empfiehlt es sich, pro Reifen sowohl eine Längs- als auch eine Querrille zu überprüfen. Führe den Schnelltest nach dem Checken der Vorderreifen auch an den Hinterrädern durch.

 

 

Bildquellen:

  • Bigstock/ stocksnapp
  • Bigstock/ duallogic
  • Bigstock/ Minerva Studio
  • Bigstock/ ptnphoto
  • Bigstock/ Marko_Ojala

 


Damit du stets sicher von A nach B kommst, hat sich Merle für dich über Reifen informiert und dir die wichtigsten Tipps in diesem Ratgeber zusammengestellt. Gute Fahrt!